Gebete

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In allen Gottesdiensten kommen zwei Gebete immer vor:

Wir stellen Sie hier einmal vor.
Aber was verbirgt sich eigentlich hinter so mancher Formulierung? Eine Antwort auf diese Frage bringt Martin Luther in seinem "Kleinen Katechismus".

Das Glaubensbekenntnis

Das Vaterunser

Ich glaube an GOTT DEN VATER, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde;
und an JESUS CHRISTUS,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den HEILIGEN GEIST,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.
VATER UNSER im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsem Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Zur Erklärung aus dem Katechismus Zur Erklärung aus dem Katechismus

Aus dem Kleinen Katechismus von Dr. Martin Luther

DAS ZWEITE HAUPTSTÜCK

DER GLAUBE

DER ERSTE ARTIKEL

Von der Schöpfung

Ich glaube an Gott den Vater,
den Allmächtigen,
Schöpfer Himmels und der Erde.
Was ist das?

Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen,
mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder,
Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält;
dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof,
Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter;
mit aller Notdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens
mich reichlich und täglich versorget,
wider alle Fährlichkeit beschirmet
und vor allem Übel behütet und bewahret;
und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte
und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit:
des alles ich ihm zu danken und zu loben
und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin.
Das ist gewißlich wahr.

DER ZWEITE ARTIKEL

Von der Erlösung

Und an Jesus Christus,
Gottes eingebornen Sohn, unsem Herrn,
der empfangen ist vom Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuziget, gestorben und begraben,
niedergefahren zur Hölle,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren gen Himmel,
sitzend zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters,
von dannen er kommen wird,
zu richten die Lebendigen und die Toten.
Was ist das?

Ich glaube, daß Jesus Christus,
wahrhaftiger Gott
vom Vater in Ewigkeit geboren
und auch wahrhaftiger Mensch
von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr,
der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat,
erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels;
nicht mit Gold oder Silber,
sondern mit seinem heiligen, teuren Blut
und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben;-
auf daß ich sein eigen sei
und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene
in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit,
gleichwie er ist auferstanden vom Tode,
lebet und regieret in Ewigkeit.
Das ist gewißlich wahr.

DER DRITTE ARTIKEL

Von der Heiligung

Ich glaube an den Heiligen Geist,
Eine heilige christliche Kirche,
die Gemeinde der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung des Fleisches
und ein ewiges Leben.
Amen.
Was ist das?

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft
an Jesus Christus, meinen Hernn, glauben oder zu ihm kommen kann;
sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen,
mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten;
gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft,
sammelt, erleuchtet, heiliget und bei Jesus Christus erhält
im rechten, einigen Glauben;
in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen
täglich alle Sünden reichlich vergibt
und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird
und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird.
Das ist gewißlich wahr.

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DAS DRITTE HAUPTSTÜCK

DAS VATERUNSER

DER ERSTE ARTIKEL

DIE ANREDE

Vater unser im Himmel. Was ist das?

Gott will damit uns locken, daß wir glauben sollen,
er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder,
auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht
ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.

DIE ERSTE BITTE

Geheiligt werde dein Name. Was ist das?

Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig;
aber wir bitten in diesem Gebet,
daß er auch bei uns heilig werde.
Wie geschieht das?
Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird
und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben.
Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel!
Wer aber anders lehret und lebet,
denn das Wort Gottes lehret,
der entheiligt unter uns den Namen Gottes.
Davor behüte uns, himmlischer Vater!

DIE ZWEITE BITTE

Dein Reich komme. Was ist das?

Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet von sich selbst;
aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme.
Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt,
daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben
und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

DIE DRITTE BITTE

Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Was ist das?

Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet;
aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe.
Wie geschieht das?
Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert,
so uns den Namen Gottes nicht heiligen
und sein Reich nicht kommen lassen wollen,
als da ist des Teufels, der Welt und unseres Fleisches Wille;
sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort
und Glauben bis an unser Ende.
Das ist sein gnädiger, guter Wille.

DIE VIERTE BITTE

Unser tägliches Brot gilb uns heute. Was ist das?

Gott gibt täglich Brot, auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen;
aber wir bitten in diesem Gebet, daß er es uns erkennen lasse
und wir mit Danksagung empfangen unser täglich Brot.
Was heißt denn täglich Brot?
Alles, was zur Leibes Nahrung und Notdurft gehört, wie
Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut,
fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treue Oberherren, gut Regiment,
gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.

DIE FÜNFTE BITTE

Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Was ist das?

Wir bitten in diesem Gebet,
daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünden
und um derselben willen solche Bitten nicht versagen;
denn wir sind der keines wert, das wir bitten,
haben's auch nicht verdient;
sondern er wolle es auch alles aus Gnaden geben,
denn wir täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen.
So wollen wir wiederum auch herzlich vergeben
und gerne wohltun denen, die sich an uns versündigen.

DIE SECHSTE BITTE

Und führe uns nicht in Versuchung. Was ist das?

Gott versucht zwar niemand;
aber wir bitten in diesem Gebet,
daß uns Gott wolle behüten und erhalten,
auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch
nicht betrüge und verführe in Mißglauben, Verzweiflung
und andere große Schande und Laster;
und ob wir damit angefochten würden,
daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

DIE SIEBENTE BITTE

Sondern erlöse uns von dem Bösen. Was ist das?

Wir bitten in diesem Gebet als in der Summa,
daß uns der Vater im Himmel
von allerlei Übel an Leib und Seele, Gut und Ehre erlöse
und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt,
ein seliges Ende beschere
und mit Gnaden von diesem Jammertal
zu sich nehme in den Himmel.

DER BESCHLUSS

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Was heißt Amen?

Daß ich soll gewiß sein,
solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und erhöret.
Denn er selbst hat uns geboten, also zu beten,
und verheißen, daß er uns will erhören.
Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, es soll also geschehen.

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16 09 15